Südost-Asien
Die Halong-Bucht (Ha Long-Bucht) gilt als Symbol Vietnams schlechthin. Jeder Reisende in Südostasien hat bereits vorher die von Nebel verhüllten, zerklüfteten Kalkfelsen auf Bildern gesehen, die von kleinen, malerischen Dschunken besucht werden. Und so ist das Naturwelterbe Ha Long auch das beliebteste und meistbesuchte Ziel Vietnams. Die tausend Kalksteinfelsen, die aus der Bucht des niedergehenden Drachens aus dem Wasser ragen, sind das Resultat von Jahrtausenden geologischer Verformung. Der sich ändernde Meeresspiegel hat hier ein Gebirge überflutet, dessen Spitzen nun herausragen. In der Provinz Ninh Binh findet sich das Gegenstück auf dem Lande.

Die Halong-Bucht – Kehrseite des Massentourismus Um ganz ehrlich zu sein: Zwischen den Postkartenbildern und den Fernsehreportagen über Ha Long und der Realität liegen Welten. Wenn man nach Ha Long kommt, ist man erst einmal erschrocken. Egal, wo man startet, ob von Cat Ba Island oder Ha Long City, überall sind Menschen, laute Maschinen, Müll. Die romantische Harmonie der Bilder sucht man vergebens. Ha Long ist mitunter ein negatives Beispiel wie Massentourismus eine Region nachhaltig verändern kann. Man fragt sich, ob der sich sammelnde Dreck und Müll in der Bucht, den die vietnamesischen Behörden nicht mehr in den Griff bekommen, oder die industrialisierte Abfertigung des billigen Massentourismus schlimmer ist.

Billigtour oder qualitativer Tourismus? Enttäuschung oder Erlebnis? Dabei bietet die Halong-Bucht so viele Eindrücke, dass einem schier die Sinne schwinden wollen. Bevor Besucher nun den Ha Long-Aufenthalt aufgeben, seien Sie versichert: Man kann hier wirklich einen wunderbaren Aufenthalt erleben, denn es liegt in der Hand des Einzelnen, was man daraus macht.

Zugenommen hat der industrialisierte Tourismus, d.h. die Billigtouren, bei denen dreißig oder vierzig Besucher auf einem Schiff (keine Dschunke mehr) für eine Handvoll Dollar herumgefahren werden. Dass dies der Tod des qualitativen Tourismus in der Halong-Bucht war, ist weithin bekannt. Ein schönes Erlebnis haben all diejenigen, die nicht das billigste und unsicherste Boot nehmen, sondern durchaus ein wenig tiefer in die Tasche greifen. Und auch dies ist im Vergleich zu Europa noch mehr als günstig. Drei Tage mit zwei oder drei anderen Paaren auf einer kleinen Dschunke, mit Essen und Aktivitäten sind bereits für 100 Dollar zu haben. Man hat die Garantie, dass kleine Inseln angelaufen werden. Man kann Fotos schießen, schwimmen und die kleinen schwimmenden Märkte der Minderheiten besuchen, die hier in der Bucht leben.

Ha Long ist also nicht nur Enttäuschung, sondern kann, richtig vorbereitet, schon ein Erlebnis sein. Die größte Sehenswürdigkeit neben dem Naturwunder, sind die in der Bucht siedelnden Menschen. Sie wohnen auf schwimmenden Plattformen und ihr Leben findet ausschließlich auf dem Wasser statt. Schulen, Häuser, Läden, Tankstellen – alles schwimmt. Kleinere Dschunken und Schiffe können die Dörfer ansteuern, während Besucher der großen Schiffe lediglich von Weitem auf das Treiben sehen können. Die kleinen Schiffe steuern wunderbar gebildete Tropfsteinhöhlen an. Die Touren bestehen aus Rundfahrten, kleinen Aktivitäten wie Schwimmen, Kanufahren und Besuchen von Sehenswürdigkeiten. Dazwischen können Besucher an Deck relaxen. Das abwechselnde Panorama der Kalkfelsen macht die zwei oder drei Tage des Ausflugs zu einem kurzweiligen Erlebnis.

Tipps und Empfehlungen zur Halong Bucht Damit das Erlebnis Ha Long jedoch zu keinem Horrortrip verkommt, sollten Besucher einige Tipps beachten. Ein Besuch der Halong-Bucht wird sicher ein wunderbares Erlebnis, wenn er zwischen Februar und Mai stattfindet. Davor ist es zu kalt bzw. ab Juli dann zu regnerisch bzw. nebelig. Genug Zeit sollte ebenfalls eingeplant werden. Eine Ein-Tages-Tour-Hetze lohnt nicht. In Hanoi können die Touren bereits gebucht werden. Am besten lässt man dies das Hotel machen. Billigtouren sind nicht nur qualitativ minderwertig, sondern auch unsicher. Denn diese nutzen unsichere Schiffe – es kommt jährlich zu Unfällen in der Bucht.

Nach der Ankunft und vor Besteigen sollten sich Besucher auch noch einmal das Schiff anschauen. Gesunder Menschenverstand sollte hier obsiegen. Wenn Zweifel ob der Sicherheit bestehen, sollte man gar nicht erst an Bord gehen. Möglicherweise verlieren Besucher das investierte Geld, aber dies ist immer noch besser als ein Schiffsunglück in der Bucht. Vor allem sollten die durchaus aggressiv werbenden Tourverkäufer gemieden werden. Deren Touren sind häufig billig, aber vollkommen wertlos.

Auch wenn dieser Text nun ein wenig negativ sein sollte: Ein Ausflug in die Halong-Bucht ist Pflicht und sollte wirklich nicht verpasst werden. Vietnamesen sehen über den schwimmenden Müllberg im Hafen hinweg, Besucher sollten es auch tun. In ein paar Jahren wird dies auch Vietnam im Griff haben. Und viele Urlauber sind auch an diesem Müllhaufen zum Teil nicht ganz unschuldig. Die Haöong-Bucht wird ein Albtraumurlaub, wenn man es zulässt. Wer nur nach dem Billigsten sucht, wird dies eben auch finden. Auch in Vietnam hat Qualität ihren Preis – nicht einmal so hoch!